Worum geht es?

Laut NICE Guidelines (National Institute for Clinical Excellence, 2004) wird bei Menschen mit Essstörungen primär eine ambulante Behandlung empfohlen. Die Eltern sind daher meistens hauptverantwortlich für die Betreuung. Die Betreuung von Jugendlichen mit einer Essstörung ist für Angehörige oft eine große Herausforderung und kann zu steigender Belastung bei Angehörigen und Betroffenen führen. Die Hilflosigkeit und Überforderung der Angehörigen wirkt sich auf den Umgang mit ihren Kindern aus, was vermehrt zu ineffizienten Reaktionen wie überfürsorgliches Verhalten, problematische Kommunikationsstile und emotionale Äußerungen führt. Diese können nachweislich zu einer Aufrechterhaltung der Essstörungssymptomatik bei den Jugendlichen führen, wodurch in weiterer Folge die psychische Belastung innerhalb der Familie weiter steigt. Zudem sind Eltern durch die Überforderung stark gefährdet selbst psychische Auffälligkeiten wie Depressionen oder Ängste zu entwickeln und stellen somit eine Risikogruppe dar, auf die bisher kaum eingegangen wurde. Die Eltern benötigen demnach wertvolle Informationen, Werkzeuge und Hilfestellungen für den Umgang mit ihren Kindern, die an Essstörungen leiden, um adäquat reagieren, bestmögliche Unterstützung anbieten und dadurch zu einer Besserung der Symptomatik der Jugendlichen und zur Verbesserung ihres eigenen Wohlbefindens beitragen zu können.

Angelehnt an langjährige Forschung zu diesem Themenbereich rund um Janet Treasure und Ulrike Schmidt aus London, wird erstmals in Österreich gezielte Unterstützung für Eltern angeboten, die die genannten Punkte beinhaltet.

An der Medizinischen Universität Wien (Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, AKH) wird eine neue Behandlung zur Unterstützung Angehöriger von Jugendlichen mit einer Essstörung angeboten. Dazu werden Angehörige eingeladen, für 3 Monate an einem E-Mail-geleiteten Selbsthilfeprogramm teilzunehmen.

Ziel ist es, Angehörige mit Informationen auszustatten, Hilfestellungen zu geben und Strategien zu vermitteln, die zur Besserung der Patientinnen und Patienten beitragen und die eigene Belastung reduzieren. Daraus ergeben sich folgende Teilziele:

1. Steigerung des Wohlbefindens der Eltern

2. Frühzeitige Förderung und Unterstützung des Genesungsprozesseses der Betroffenen

3. Schaffen eines heilsamen Umfelds durch Änderungen im Umgang, im Verhalten und in der Kommunikation innerhalb der Familien um dadurch langfristig Rückfälle zu verhindern